Eine Immobilie wirft selten die Rendite ab, die im ersten Exposé steht. Erst wenn Kaufnebenkosten, nicht umlagefähige Bewirtschaftungskosten und Finanzierung eingerechnet sind, entsteht eine belastbare Zahl. Dieser Bereich zeigt die gängigen Kennziffern und wie sie zusammenhängen.
Das Wichtigste in Kürze
Die Eigenkapitalrendite ist die Kennzahl der Kapitalanleger — der Hebel macht aus ~4 % Objektrendite oft ~8–10 % auf dein EK.
Benchmark: 4–5 % Nettomietrendite gelten klassisch als solide; Kaufpreisfaktor 20–25 als normal, in Toplagen auch 30+.
Cashflow nach Steuern zählt: Nicht umlagefähige Kosten und Rücklagen gehören in jede Rechnung.
Bruttomietrendite
Kurz: Verhältnis von Jahresnettokaltmiete zu Kaufpreis, ohne Berücksichtigung von Kosten oder Finanzierung.
Die Bruttomietrendite ist die einfachste und zugleich unschärfste Kennzahl der Immobilienbewertung. Sie beantwortet nur eine Frage: Wie viel Miete bringt ein Objekt im Verhältnis zum Kaufpreis, bevor irgendwelche Kosten abgezogen werden? Weder Kaufnebenkosten noch Instandhaltung, Verwaltung, Leerstandsrisiko oder Finanzierungszinsen fließen ein. Das macht sie nützlich für einen schnellen Vergleich zwischen mehreren Objekten, aber ungeeignet als alleinige Entscheidungsgrundlage.
Die Kehrwert-Größe der Bruttomietrendite ist der Kaufpreisfaktor.
Rechenbeispiel Kaufpreis 300.000 €, Jahresnettokaltmiete 15.000 €. Bruttomietrendite = 15.000 € ÷ 300.000 € = 5,0 %. Kaufnebenkosten, Instandhaltung und Zinsen sind hier noch nicht berücksichtigt — die tatsächliche Rendite liegt darunter.
Kurz: Bruttomietrendite abzüglich nicht umlagefähiger Bewirtschaftungskosten, bezogen auf die Gesamtinvestition inklusive Kaufnebenkosten.
Die Nettomietrendite korrigiert die zwei größten Schwächen der Bruttomietrendite: Sie rechnet die Kaufnebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch, ggf. Maklercourtage — in Summe grob 9–12 % des Kaufpreises) in die Investitionssumme ein und zieht die nicht umlagefähigen Bewirtschaftungskosten von der Miete ab. Damit nähert sie sich der tatsächlich erzielbaren Rendite deutlich mehr an als die Bruttomietrendite, bleibt aber weiterhin eine Kennzahl auf Objektebene — die Finanzierung fließt noch nicht ein.
Rechenbeispiel Kaufpreis 300.000 €, Kaufnebenkosten 30.000 € (10 %) → Gesamtinvestition 330.000 €. Nicht umlagefähige Kosten (Verwaltung, Instandhaltungsrücklage, Mietausfallwagnis) ca. 2.250 €/Jahr. Nettomiete nach Kosten = 15.000 € − 2.250 € = 12.750 €. Nettomietrendite = 12.750 € ÷ 330.000 € ≈ 3,9 % — spürbar unter der Bruttomietrendite von 5,0 %.
Verwandt: Bruttomietrendite, Kaufnebenkosten, Nicht umlagefähige Kosten & Liquiditätsreserve
Eigenkapitalrendite
Kurz: Rendite bezogen auf das eingesetzte Eigenkapital statt auf die Gesamtinvestition — hier wirkt der Leverage-Effekt der Fremdfinanzierung.
Die Eigenkapitalrendite ist die Kennzahl, die den Unterschied zwischen Immobilie und den meisten anderen Kapitalanlagen ausmacht: die Fremdfinanzierung. Solange die Objektrendite (Nettomietrendite) höher ist als der Zinssatz des Darlehens, steigert jeder zusätzliche Euro Fremdkapital die Rendite auf das eingesetzte Eigenkapital — das ist der positive Leverage- bzw. Hebel-Effekt. Liegt der Zinssatz jedoch über der Objektrendite, kehrt sich der Effekt um: Die Eigenkapitalrendite fällt unter die Objektrendite und kann negativ werden. Der Hebel wirkt in beide Richtungen und ist damit zugleich Chance und Risiko der fremdfinanzierten Immobilie. Wichtig: In die Eigenkapitalrendite fließen nur die Zinsen als Kosten ein, nicht die Tilgung — die Tilgung ist Vermögensbildung, kein Aufwand.
Kurz: Tatsächlicher Geldüberschuss oder -fehlbetrag pro Periode: Miete abzüglich Kapitaldienst (Zins + Tilgung) und nicht umlagefähiger Kosten.
Der Cashflow unterscheidet sich von der Eigenkapitalrendite in einem entscheidenden Punkt: Er berücksichtigt auch die Tilgung als tatsächlichen Geldabfluss — denn ob Geld für Zinsen oder Tilgung überwiesen wird, ist für das Konto egal, auch wenn die Tilgung wirtschaftlich Vermögensaufbau ist. Ein Objekt kann daher eine gute Eigenkapitalrendite und trotzdem einen negativen Cashflow aufweisen, wenn die Tilgung hoch angesetzt ist. Zusätzlich wird zwischen Cashflow vor und nach Steuer unterschieden: Abschreibung (AfA) und Zinsen mindern das steuerliche Ergebnis, wodurch ein Verlust auf dem Papier zu einer Steuererstattung führen kann, die den Cashflow nach Steuer verbessert.
Formel: Cashflow vor Steuer = Jahresnettokaltmiete − nicht umlagefähige Kosten − Kapitaldienst (Zins + Tilgung).
Rechenbeispiel Nettokaltmiete nach Kosten 12.750 €/Jahr. Kapitaldienst: Zins 8.400 € + Tilgung (2 % anfänglich auf 240.000 €) 4.800 € = 13.200 €. Cashflow vor Steuer = 12.750 € − 13.200 € = −450 €/Jahr (≈ −37,50 €/Monat).
Steuerlich: zu versteuerndes Ergebnis = Miete 15.000 € − Zinsen 8.400 € − AfA 4.800 € (2 % auf 240.000 € Gebäudeanteil) − sonstige Werbungskosten 2.250 € = −450 €. Bei 42 % Grenzsteuersatz ergibt das eine Steuererstattung von 189 €. Cashflow nach Steuer = −450 € + 189 € = −261 €/Jahr (≈ −22 €/Monat) — ein monatlicher Zuschuss trotz solider Objektrendite, weil die Tilgung mitgerechnet wird.
💡 Tipp für deine KapitalanlageKalkuliere konservativ: 2 Monatsmieten p. a. für Rücklage und Verwaltung, 1 Monat Mietausfallwagnis. Ein Objekt, das nur in der Schönwetter-Rechnung trägt, trägt nicht.
Kurz: Kaufpreis geteilt durch Jahresnettokaltmiete — der Kehrwert der Bruttomietrendite, gebräuchlich als schneller Vergleichsmaßstab.
Der Kaufpreisfaktor drückt dieselbe Information wie die Bruttomietrendite aus, nur umgekehrt: Statt eines Prozentsatzes ergibt sich eine Zahl, die angibt, wie viele Jahresmieten der Kaufpreis entspricht. Er wird häufig als grobe Einordnungshilfe genutzt, ersetzt aber keine Detailprüfung — Lage, Zustand, Mietentwicklung und Nachfrage bestimmen, ob ein hoher Faktor gerechtfertigt ist oder nicht.
Faktor unter 20: als günstig eingestuft
Faktor 20–25: als normal eingestuft
Faktor über 25–30: als teuer eingestuft
Diese Faustzahlen sind stark lageabhängig. In gefragten Großstadtlagen sind Faktoren von 30 und mehr seit Jahren die Regel, ohne dass dies allein ein Kaufsignal oder Warnsignal wäre.
Marktkontext: In A-Lagen sind Faktoren von 30–35 keine Seltenheit und können dort angesichts der Wertstabilität vertretbar sein; in Regionen mit sinkender Bevölkerung kann schon ein Faktor von 15 zu hoch sein. Der Faktor ist ein Einordnungswert — kein Urteil ohne Lagebezug.
Rechenbeispiel Kaufpreis 300.000 €, Jahresnettokaltmiete 15.000 €. Kaufpreisfaktor = 300.000 € ÷ 15.000 € = 20 — an der Grenze zwischen „günstig“ und „normal“.
💡 Tipp für deine KapitalanlageRechne den Faktor immer selbst nach (Kaufpreis ÷ Jahresnettokaltmiete) — mit der IST-Miete, nicht der versprochenen Zielmiete. Differenzen zwischen beiden sind ein Verhandlungsargument.
Verwandt: Bruttomietrendite, Nettomietrendite
Gesamtkapitalrendite / ROI
Kurz: Gesamtrendite über alle Wertbeiträge — Cashflow, Tilgung und Wertsteigerung — bezogen auf das eingesetzte Kapital.
Während Netto- und Bruttomietrendite nur den laufenden Ertrag abbilden, versucht die Gesamtkapitalrendite (auch Return on Investment, ROI) den vollständigen wirtschaftlichen Nutzen einer Immobilie zu erfassen. Dazu zählen neben dem Cashflow auch der Tilgungsanteil, der Jahr für Jahr Vermögen aufbaut (auch wenn er den Cashflow zunächst belastet), sowie eine mögliche Wertsteigerung des Objekts. Letztere ist naturgemäß eine Annahme, keine Garantie — sie sollte konservativ angesetzt und nie als sichere Rechengröße behandelt werden.
Formel (vereinfacht, auf Eigenkapitalbasis): ROI = (Cashflow nach Steuer + Tilgungsanteil + angenommene Wertsteigerung) ÷ eingesetztes Eigenkapital × 100.
Rechenbeispiel Eigenkapital 90.000 €. Tilgungsanteil Jahr 1: 4.800 €. Cashflow nach Steuer: −261 €. Angenommene Wertsteigerung (1 % p. a. auf 300.000 €): 3.000 €. Summe = 4.800 € − 261 € + 3.000 € = 7.539 €. ROI = 7.539 € ÷ 90.000 € ≈ 8,4 %. Ohne die angenommene Wertsteigerung sänke die Kennzahl auf rund 5,0 % — der Unterschied zeigt, wie stark der ROI von der (unsicheren) Wertentwicklung abhängt.
Kurz: Kosten, die der Vermieter selbst trägt und nicht über die Nebenkostenabrechnung auf Mieter umlegen kann — werden sie unterschlagen, ist jede Renditerechnung geschönt.
Ein großer Teil überoptimistischer Renditerechnungen scheitert nicht an falschen Mieteinnahmen, sondern an vergessenen Kosten. Nicht umlagefähig sind typischerweise Verwaltungskosten (Hausverwaltung, bei Eigentumswohnungen die WEG-Verwaltervergütung), die Instandhaltungsrücklage für Reparaturen und Modernisierung, das Mietausfallwagnis für Leerstand und Zahlungsausfälle sowie Teile der Betriebskosten, die nicht auf Mieter umgelegt werden dürfen. Wer diese Posten in der Kalkulation weglässt, rechnet sich eine Rendite schön, die in der Praxis nicht ankommt.
Ergänzend dazu braucht jede vermietete Immobilie eine Liquiditätsreserve — Rücklagen, die unabhängig von der laufenden Kalkulation bereitstehen, um unplanmäßigen Leerstand, plötzliche Reparaturen oder Mieterwechsel zu überbrücken, ohne dass der Eigentümer in Zahlungsschwierigkeiten gerät. Ohne diesen Puffer kann ein rechnerisch solides Objekt bei einem einzigen unerwarteten Ereignis zum Liquiditätsproblem werden.
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